20.07.2018 12:32 Stefan

Nur 100 Dollar Kaufpreis: Experten zerlegen gefälschtes iPhone X

Ein neues iPhone X kostet bei Apple stolze 1.149 Euro. In China gibt es einen Klon des iPhone X schon für 100 Dollar. Bei Motherboard hat man einen solchen Nachbau gekauft und von Experten zerlegen lassen.

Von außen macht der iPhone X-Klon einen guten Eindruck was es Laien schwer macht, die Fälschung von einem Original zu unterscheiden. Die iPhone-Box welche der Redaktion geliefert wurde sah aus wie wenn sie direkt von Apple kam. Auch das Gerät selbst sieht aus wie ein echtes iPhone X: Es besitzt den selben Formfaktor, die gleichen Buttons für die Lautstärke, einen Lightning-Port und es fehlt der Home Button. Sogar die Löcher für die Lautsprecher an der Unterseite des Smartphones sind korrekt platziert.

Nach dem Einschalten erscheint wie man es gewohnt ist das Apple-Logo und nach wenigen Sekunden der Home Screen, der dem eines echten iOS zum Verwechseln ähnlich sieht. Auch die Apps die iOS von Haus aus mitbringt werden originalgetreu dargestellt. Im Sperrbildschirm fehlen einige Icons, die Buttons für die Kamera und die Taschenlampe zum Beispiel sind aber vorhanden und funktionieren. Alles in allem denkt der unbedarfte User bis zu diesem Punkt es handelt sich tatsächlich um ein echtes iPhone X. Hier zeigt sich jedoch schon der erste Beweis für eine Fälschung: Die oft gescholtene Kerbe des Originals wird beim China-Import via Software nachgebildet und enthält keine Komponenten des TrueDepth-Kamera-Systems. Die Menüleiste am oberen Bildschirmrand sieht zudem ganz anders aus als unter iOS.

Dem Fake-iOS auf den Zahn gefühlt

Wer dann mit dem Gerät arbeitet erkennt schnell die Schwächen: Das Aufrufen von Apps dauert viel zu lang. Wenn man durch die Menüs navigiert reagiert die Software äußerst träge, was man von einem Smartphone das mehr als 1.100 Euro kostet nicht erwartet. Die Kamera des Nachbaus schießt verschwommene Bilder, Siri hat eine andere Benutzeroberfläche und auch das Face ID-Menü sieht anders aus als beim Original.

Im Menü für die Einstellungen fühlt man sich als Apple-Nutzer jedoch wieder fast wie zuhause: Viele der originalen Menüpunkte befinden sich am selben Platz wie bei einem echten iOS, einige Optionen fehlen allerdings. Dem Original am nächsten kommt nach Meinung der Tester noch die Mail-App. Wer andere der Standard-Apps von Apple startet wird spätestens jetzt stutzig: Bei der Wetter-App handelt es sich um "Yahoo! Wetter", die Podcast-App verlinkt auf YouTube und Health wird durch die App eines Drittanbieters ersetzt.

Die Redakteure von Motherboard konnten sich mit dem Fake-iPhone nicht in eine amerikanisches Mobilfunknetz einwählen, das Surfen im WLAN funktionierte aber - wenn auch eingeschränkt. Der Versand von Mails klappte dabei ebenso wie das Betrachten von Webseiten oder der Down- und Upload von Dateien. Der Tester hatte jedoch das Gefühl als nutze er ein Gerät das ein paar Jahre alt ist.

Um herauszufinden was sich genau hinter der Software verbirgt hat man das Gerät an ein unabhängiges Unternehmen für Cybersicherheit geschickt. Dort fand man schnell heraus, das gefälschte iPhone X nutzt Android mit einem iOS-Skin als Betriebssystem. In die verwendete Android-Version wurden Hintertüren und schädliche Apps eingearbeitet. Sicherheitsfunktionen wie Berechtigungen, Regulierung oder Sandboxing sind auf dem Gerät quasi nicht existent. Eine der Hintertüren sorgt sogar dafür dass der Käufer bei der Nutzung des Smartphones alle Rechte an einen Remote-Server abtritt und zudem Informationen wie die IMEI, die MAC-Adresse und Seriennummer des Telefons an einen unbekannten Empfänger gesendet wurden. Log In-Daten wie beispielsweise die zu Apple's iCloud-Service werden penibel in einer Datenbank auf dem Klon abgelegt - was damit genau passiert war zum Zeitpunkt des Tests unklar.

Ein Blick auf die Hardware

Wie schon erwähnt reagiert das Fake-iPhone bei der Benutzung sehr träge was darauf schließen lässt dass keine hochwertige Hardware verbaut wurden. Nach dem Öffnen des Geräts findet man einen Aufbau der Komponenten der schwach an den des iPhone X erinnert, auch wenn der Nachbau über viel ungenutzten Platz verfügt. Apple hingegen nutzt jeden Quadratmillimeter unter der Haube aus.

Die Logikplatine, alle Chips und der Akku des Klons sind Bauteile die es schon seit Jahren auf dem Markt gibt und bei weitem nicht so leistungsfähig sind wie die des iPhone X. Statt zu kleben wurde beim Nachbau viel mit Nieten gearbeitet, was eine eventuelle Reparatur erschwert. Beim Display handelt es sich natürlich auch um keinen OLED-Bildschirm, es wird ein einfaches TFT mit weitaus geringerer Auflösung und Bildqualität verwendet.

Sollte man den 100 Dollar-iPhone X-Nachbau kaufen? Der Experte der Sicherheitsfirma antwortet auf diese Frage mit einem klaren "Nein". Zwar handelt es sich bei dem Fake-iPhone um einen für geklonte Geräte verhältnismäßig "hochwertigen" Nachbau, das große Manko des Klons liegt jedoch bei der Sicherheit. Von einer Verwendung des Telefons mit sensiblen persönlichen Daten rät der Experte ab.


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